Testentwicklung zum Nachweis von Rhesus-Inkompatibilität während der Schwangerschaft

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Entwicklung eines FMH Schnelltests

Abbildung 1: Immunisierung der Schwangeren infolge einer RhD Inkompatibilität (Bild vergrößern durch Klick)

Die sog. RhD Inkompatibilität während der Schwangerschaft besteht in der kaukasischen Bevölkerung bei jeder siebten Partnerschaft. RhD negative Schwangere mit RhD positiven Partner tragen möglicherweise ein RhD positiven Kind in sich. Dabei kann Fetalblut in die mütterliche Zirkulation übertreten (Feto-maternale Hämorrhagie, FMH). Je nach Blutmenge kann es zu einer Immunisierung der Schwangeren kommen. In nachfolgenden Schwangerschaften können nun die von der Mutter selbst gebildeten Antikörper vom Typ IgG über die Plazenta in den Fetus gelangen. Dort werden nun die RhD positiven fötalen Erythrozyten markiert und in der Leber und Milz des Feten abgebaut (Abbildung 1).

Die Folge ist der Morbus haemolyticus neonatorum (MHN), der durch einen Hydrops fetalis und einem Kernikterus (schwere Hirnschäden durch freigesetztes Bilirubin) charakterisiert sein kann. Aktuell werden in Deutschland allen RhD negativen prophylaktisch hoch-aufgereinigte anti-D Antikörper verabreicht, um eventuell übergetretene Erythrozyten des Fötus in der mütterlichen Zirkulation zu erkennen und zu eliminieren ohne dabei eine Immunreaktion auszulösen. Allerdings werden aktuell >95% der Schwangeren unnötigerweise mit anti-D behandelt. Gründe dafür sind, dass allein 40% der Föten Rhesus negativ sind und ein FMH ein eher seltenes Ereignis darstellt bzw. der Grad des FMH klinisch nicht relavant ist (< 2mL Fötalblut). Darüber hinaus reicht die Standarddosis in Höhe von 300 µg bei 0,3% der Fälle nicht aus um Schwangere mit massivem FMH vor einer Immunisierung zu schützen. Einige sehen hier eventuell einen Markt für eine nicht-invasive RhD Genotypisierung auf Basis der zellfreien, fötalen DNA (cffDNA) um den RhD Status des Feten zu bestimmen. Allerdings sagt die cffDNA nichts über den Grad des FMH bzw. das Immunisierungsrisiko der Mutter aus. Der Goldstandard zur FMH Diagnostik ist die Durchflusszytometrie, die jedoch mit hohen Apparatekosten verbunden ist und spezialisiertes Personal bedarf. Vermutlich hat sich daher die FMH Diagnostik in Deutschland und Europa (außer England) nicht durchgesetzt.
Wir entwickeln ein RHD-FMH-Schnelltest, der einfach, standardisiert und hoch-spezifisch Erythrozyten im mütterlichen Vollblut quantitativ nachweist. Die Gerätekosten sind dabei gering und es wird kein speziell ausgebildetes Personal benötigt.